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Was eine Seegurke mit Sprache zu tun hat oder „Gelebte Sprachenvielfalt im Südpazifik“

  • Insa Witte
  • 2. Juni
  • 3 Min. Lesezeit
Kinder auf Espirtu Santo @Serah Lianliang / Vanuatu Tourism Office
Kinder auf Espirtu Santo @Serah Lianliang / Vanuatu Tourism Office

Wer auf eine der 83 Inseln Vanuatus aufwächst, spricht mehr als eine Sprache. Das begann bereits, als verschiedene ozeanische Völker vor etwa 3000 Jahren die Inseln besiedelten. Sie brachten Kultur, Traditionen und verschiedene Sprachen mit. Da Vanuatu insgesamt aber zu abgelegen war, entwickelte sich kein reger Handelsverkehr, und die Inseln blieben weitestgehend isoliert. Je nach Quelle gab und gibt es auf den Inseln heute noch 100 bis 140 verschiedene ozeanische Sprachen, die weiterhin gepflegt werden. Insgesamt leben auf Vanuatu etwa 320.000 Einwohner (in etwa so viele wie in Mannheim) auf einer Fläche, die kleiner ist als Schleswig-Holstein (nämlich nur etwas mehr als 12.000 Quadratkilometer). Pro Kopf hat Vanuatu damit die höchste Sprachendichte der Welt!


Wasser ist allgegenwärtig auf Vanuatu @Melissa Finley / Vanuatu Tourism Office
Wasser ist allgegenwärtig auf Vanuatu @Melissa Finley / Vanuatu Tourism Office

Der Neuseeländer Russell Gray, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Leipzig, erforschte 2016 die Sprachenvielfalt auf Vanuatus Inseln. Die These, dass vor allem Menschen, die eher isoliert voneinander leben, verschiedene Sprachen entwickeln und erhalten, trifft für ihn auf Vanuatu nicht ganz zu. In seinen Augen ist das Besondere, dass „in Vanuatu die verschiedenen Sprachen keine isolierten sozialen Gruppen widerspiegeln. Die Menschen sprechen in der Regel mehrere benachbarte Sprachen. Und sie müssen aus kulturellen Gründen sogar häufig über Sprachgrenzen hinweg heiraten.“ Menschen, die dennoch keine gemeinsame Sprache haben, konnten sich mit Sandzeichnungen aus einer durchgehenden Linie verständigen. Diese Praxis besteht immer noch und wurde 2003 von der Unesco zum Weltkulturerbe anerkannt.


Sandmalerei ist eine Art der Verständigung @Vanuatu Tourism Office
Sandmalerei ist eine Art der Verständigung @Vanuatu Tourism Office

Für den seit 1980 unabhängigen Staat Vanuatu brauchte man aber eine greifbarere Verständigungsmöglichkeit. Dafür bestimmte man die Kreolsprache „Bislama“ zur offiziellen Amtssprache, neben Englisch und Französisch (beides wird aber selten gesprochen). So hat auch der Name „Vanuatu“ seinen Ursprung im Bislama: In dieser Sprache heißt das nämlich „unser Land“. Weniger als ein Drittel der Bevölkerung bezeichnete Bislama allerdings als ihre Muttersprache, mindestens zwei Drittel dagegen lernten zuerst eine indigene Sprache.


Zurück zu Bislama: Christoph Kolumbus kam 1779 nach Vanuatu und nannte die Inseln „Neue Hebriden“. Im 19. Jahrhundert verpflichtete die englisch-französische Kolonialverwaltung viele Menschen von Vanuatu auf Plantagen in Australien oder Fiji zu arbeiten. Da sie von verschiedenen Inseln mit verschiedenen Sprachen kamen, mussten sie eine Möglichkeit finden, sich mit einer Sprache zu verständigen. Daraus entwickelten sich die etwa 3.000 Wörter des Bislama, die ihren Ursprung zumeist im Englischen und teils auch Französischen des 19. Jahrhunderts haben. Die Arbeiter auf den Plantagen, die damals diese gemeinsame Sprache entwickelten und benutzten, ernteten und trockneten in Australien vor allem Seegurken. Auf Französisch heißen sie „bêche-la-mer“, was schnell zu „beach-la-mar“ wurde und schließlich zu „Bislama“, was der gemeinsamen Sprache den Namen gab.


Frauen auf Moto Island / Junge Männer auf Pentecost Island / Paar auf Vanuatu alle@Vanuatu Tourism Office


Wer keine der örtlichen Sprachen beherrscht, kann dennoch mit den Menschen kommunizieren: Sie nutzen nämlich auch ihre Augenbrauen und Gesichtsmimik, um sich ganz universell zu verständigen…


Ein paar Worte Bislama lassen sich aber recht einfach lernen:

 

  • Hallo: Halo

  • Wie geht es dir?: Yu olraet?

  • Danke: Tankio

  • Vielen Dank: Tankio Tumas

  • Bitte: Plis

  • Es tut mir /sehr / leid: Sori / Sori Tumas

  • Ich freue mich, dich zu sehen: Mi glad blo luk yu

  • Tschüss: Tata

  • Bis später: Lukim yu

  • Ich gehe jetzt: Ale mi stap ko nao

 


Weitere Informationen über Vanuatu inklusive kostenloses Online-Schulungsprogramm unter www.vanuatu.travel und www.welkamvanuatu.travel

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"Für Reise- und Rechercheprojekte habe ich mehrfach mit Insa Witte zusammengearbeitet – und mir in der Zusammenarbeit mit anderen Agenturen oft gewünscht, sie könnten ein wenig mehr wie sie sein: Stets bestens informiert, was die Destinationen angeht, die sie vertreten hat, sodass sie bei der Planung einer Recherche immer wertvollen Input liefern konnte.

Mit sehr viel diplomatischem Geschick gesegnet, weiß Frau Witte außerdem zwischen den Anforderungen, komplizierter Kunden und dem Bedarf von Journalisten zu vermitteln.

Fazit: Wenn es nach mir geht, sollten sich möglichst viele der Destinationen noch rasch für CASA 92 als Agentur entscheiden. Denn dann weiß ich sicher, dass ein Rechercheprojekt am Ende ein Erfolg wird."

Anja Haegele, von 2016 bis 2023 Leiterin des Reiseressorts der BRIGITTE

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